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Handel mit Elfenbein

Die unglaublichen Mengen, welche laut den vorliegenden Statistiken der Fa. Heinrich Adolph Mayer um 1880 importiert wurden, waren schon um 1900 nicht mehr realisierbar. Die zum Teil über Generationen angehäuften Vorräte, waren nach knapp 50 Jahren intensiver Ausplünderung der afrikanischen Stämme durch die Kolonialstaaten erschöpft. Der Handel mit Elfenbein existierte ja schon seit der Antike auf den alten Handelswegen über die Nilinsel Elephantine bis nach Asien.

Allen voran, hatte König Leopold II von Belgien während der Kolonialzeit mit unvorstellbarer Brutalität der Bevölkerung gegenüber, den Kongo ausgeplündert. Joseph Conrad hat in seinem Roman "Herz der Finsternis eine authentische Schilderung der damaligen Zustände in den Kolonien abgeliefert. Um 1910 hatte sich der Preis für Rohelfenbein wegen der Materialverknappung verzehnfacht. Er entsprach damals einem Kg Preis von rund 200,00 €. Die vielen Gebrauchsgegenstände aus Elfenbein waren zu diesen Preisen nicht mehr zu verkaufen. An der Börse in Amsterdam wurde deshalb auch Mammut in großen Mengen gehandelt welches aus Russland importiert wurde. Daraus wurden Elfenbeinprodukte ( Gardinenringe, Knöpfe,etc.) in der günstigeren Variante hergestellt. Nach dem Zusammenbruch des Zarenreiches kam bis Anfang der 1990er Jahre praktisch kein Mammut aus der Sowjetunion mehr auf den Markt. Die Lager wurden über fast 70 Jahre hinweg immer nur aufgefüllt.

Die meisten Hersteller von Gebrauchsgegenständen wichen dann jedoch auch auf die neuen Kunststoffe, wie Celluloid und Galalit aus. Elfenbein war damit ab ca.1910 wieder ein reiner Edelrohstoff, wie schon vor der Kolonialzeit mehrere Jahrhunderte lang ebenso. Knapp 50 Jahre später hatte der Verbrauch weltweit wieder Mengen erreicht, welche die Elefantenbestände in Afrika bedrohlich dezimierten. Grund war zu Beginn der 50er Jahre ein niedriger Kg Preis, der Ende der 80er Jahre seinen Höhepunkt mit rund 200,00 DM pro Kg erreichte. Statt Gebrauchsgegenständen wie vor 100 Jahren waren nun Elfenbeinschmuck und Accessoires das Hauptgeschäftsfeld. Immer mehr Hersteller, die vorher nur kleine Mengen Elfenbein qualitativ hochwertig, in Handarbeit verarbeiteten, expandierten. In diesen 30 Jahren hatte sich aus einem Handwerk eine Industrie entwickelt. Speziell für die Schmuckverarbeitung von Elfenbein wurden Maschinen entwickelt, um große Mengen Rohmaterial maschinell zu verarbeiten. Kaufhausketten und Juweliere hatten Elfenbeinprodukte im Sortiment. Nach dem Handelsverbot 1990 verschwanden diese Produkte schlagartig aus den Vitrinen. Der Markt war über Nacht zusammengebrochen. Einige Hersteller versuchten als Ersatz mit Mammut den Betrieb aufrecht zu erhalten. Nur wenigen gelang es. 1990 konnte man Mammut für einen Spottpreis erwerben. Die Lager in St. Petersburg waren voll geworden in den vergangenen 70 Jahren. Heute kostet Mammut bedeutend mehr als Elfenbein.

Die bis heute geltende Regelung für den Handel mit Altbeständen aus Elfenbein war für eine Massenproduktion nicht mehr interessant. Das Umweltbewusstsein des Konsumenten hat sich speziell in Europa und den meisten westlichen Ländern gewandelt und ist auch, was die Zukunft anbetrifft stabil. Ein Rückfall in alte Zeiten ist in Europa nicht mehr zu befürchten. Eine Verarbeitung von Elfenbein wird nur noch unter bestimmten Umständen toleriert. Heute werden von diesen Altbeständen in der BRD noch ca. 150-300 Kg im Jahr verarbeitet. Vorwiegend werden davon hochwertige Arbeiten hergestellt, unter anderem für Restaurationen, für die keine Ersatzmaterialien in Frage kommen. In Europa gibt es noch immer eine Anzahl von hervorragenden Handwerkern, welche bewusst mit traditionellen Werkzeugen in der alten Art und Weise arbeiten und auch den Wert des Materials Elfenbein zu schätzen wissen.

Man schätzt die aktuellen Bestände in der EU auf ca. 40-50 Tonnen einschließlich der Fertigprodukte ( old stock ) aus der Zeit vor dem Handelsverbot. Ein Großteil davon ist inzwischen in privaten Händen. Bei den ehemaligen Händlern und Verarbeitern dürfte es nur in Ausnahmefällen noch größerer Bestände geben. Gemessen am Verbrauch in den Jahren 1879-83 mit rund 860 Tonnen weltweit pro Jahr, entspricht die jetzt noch verfügbare Menge in Europa etwa 5% eines damaligen Jahresbedarfs ( das entspricht den Stoßzähnen von rund 1000 - 1500 Elefanten). Davon sind etwa 10-20% Preconvention Stoßzähnen. Das bedeutet, dass bei entsprechendem vorsichtigem Einsatz der Altbestände und keinem Verkauf von Rohmaterial in nicht EU Länder, für noch ca. 30 Jahre Elfenbein verfügbar wäre, ohne die Populationen in Afrika überhaupt in Anspruch zu nehmen. Für Europa ist kaum anzunehmen, dass jemals wieder in großen Mengen Elfenbein überhaupt benötigt wird. Es gibt keine Betriebe in Europa mehr, die dieses Geschäft im industriellen Stil betreiben.

Für den asiatischen Markt gelten andere Gesetze. Obwohl nur ein geringer Teil der dortigen Bevölkerung sich Elfenbeinprodukte überhaupt leisten kann, ist es dort seit 2008 zu einem Spekulationsobjekt gemacht worden. Ein Bewusstsein wie in Europa fehlt hier fast völlig. Vorwiegend werden ganze Zähne zu Spekulationszwecken gehortet.

Die Strategien von CITES, den Handel zu kontrollieren sind dort gescheitert. Es werden andere Vorgehensweisen nötig sein, um die damit verbundene Wilderei in den Herkunftsländern zu unterbinden.

Es gibt zum Beispiel Ansätze und Vorschläge dazu, u.a. von Daniel Stiles, der schon lange Jahre weltweit den Handel mit Elfenbein für Traffic beobachtet und dokumentiert. Eingesetzt werden sollen dafür die enormen Lager von Rohmaterial in Afrika die sich dort seit Anfang der 1990er Jahre angesammelt haben. Für eine lange Zeit könnte damit der Bedarf in China als größtem Verbraucher gedeckt werden. Mit den neuen verfügbaren Untersuchungsmethoden zu Herkunft und Alter des Materials könnte der Handel kontrolliert werden, bis auch dort ein Umdenken wie in Europa stattgefunden hat.

Zwei Sätze zum Schluß von Stiles die für jeden der mit Elfenbein, ob als Verarbeiter oder als Beobachter zu tun hat, die Situation ganz treffend bezeichnen und nicht gegensätzlicher sein könnten. ( National Geographic Sept. 2014 )

 

No good reason why anyone needs ivory

und

Elephants cannot survive the continued ivory trade ban and “Stop Ivory.”

They can thrive with legal trade.

J.GG.BÜCKING

Elfenbeinwaren seit 1746

Mitglied im deutschen Elfenbeinverband e.V.

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